Auf vielen Flügen werden Kabinen mit Insektiziden behandelt. Vorschriften, Risiken und Kritik sorgen bei Passagieren und Besatzungen für Diskussionen.
Bei Flügen in bestimmte Regionen gehört die Behandlung der Kabine mit Insektiziden zum Standard. Hintergrund sind internationale Vorschriften, die verhindern sollen, dass krankheitsübertragende Insekten über den Luftverkehr verbreitet werden.
In der Luftfahrt beschreibt „Desinsektion“ das Ausbringen von Insektiziden in der Kabine. Eingesetzt werden synthetische Pyrethroide wie Phenothrin oder Permethrin, die gegen Mücken, Fliegen und Kakerlaken wirken. Für die Gesundheitsbehörden vieler Länder ist vor allem das Risiko besorgniserregend, dass Flugzeuge Mücken transportieren, die Krankheiten wie Malaria, Zika oder Denguefieber übertragen. Fluggesellschaften sind daher häufig verpflichtet, die Kabine vor dem Einsteigen der Passagiere und ein zweites Mal nach dem Schließen aller Türen zu besprühen.
Seit 1944, dem Jahr der Unterzeichnung des internationalen Luftfahrtabkommens von Chicago, haben Gesundheitsbehörden das Recht, Fluggesellschaften Desinfektionsvorschriften aufzuerlegen. Das Abkommen von Chicago führte zur Gründung der Internationalen Zivilluftfahrt-Organisation (ICAO), einer Sonderorganisation der Vereinten Nationen. Gemeinsam mit der Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat die ICA bestimmte Insektizide für den Einsatz in Flugzeugkabinen zugelassen.
Bis vor Kurzem beschränkte sich die Insektizidbesprühung auf Reiseziele, die als tropisch oder exotisch galten. Im März 2025 erließen die italienischen Behörden neue Vorschriften, die Airlines verpflichten, alle Flugzeuge zu desinfizieren, die sich möglicherweise in einem Dengue-Fieber-Risikogebiet aufgehalten haben. Obwohl Großbritannien nicht zu diesen Gebieten gehört, fliegen britische Kurz- und Mittelstreckenjets gelegentlich dorthin. Da British Airways nicht garantieren kann, dass ein Flugzeug von London nach Italien nicht zuvor in einem Dengue-Fieber-Risikogebiet war, desinfiziert sie jeden Flug nach Italien.
Die Desinfektion mit Insektiziden ist zwar weit verbreitet, aber nicht die einzige Methode, um die internationalen Gesundheitsvorschriften einzuhalten. Immer mehr Länder erlauben den Airlines, Flugzeugoberflächen mit einem Langzeitinsektizid zu behandeln, solange sich keine Passagiere an Bord befinden.
Dank der Langzeitbehandlung müssen Flugzeugkabinen nur alle acht Wochen desinfiziert werden. Dies ist jedoch nur dann wirtschaftlich, wenn eine Fluggesellschaft regelmäßig Ziele anfliegt, die eine Insektizidbehandlung erfordern. Australien und Neuseeland beispielsweise schreiben vor, dass alle ankommenden Flüge mit Insektiziden behandelt werden müssen. Daher ist es für internationale Fluggesellschaften mit Sitz in diesen Ländern sinnvoll, auf die Anwendung von Insektiziden mit Langzeitwirkung zu setzen.
Trotz des weitverbreiteten Einsatzes von Insektiziden in Flugzeugkabinen bestehen weiterhin unterschiedliche Meinungen über die Wirksamkeit und Notwendigkeit dieser Sprays.
Die US-Gesundheitsbehörde (CDC) unterstreicht, es gebe keine Beweise dafür, dass Insektenbekämpfung die Einschleppung und Verbreitung von durch Mücken übertragenen Krankheiten wirksam verhindert. Die US-Umweltschutzbehörde (EPA) entschied bereits 1996, keine Insektensprays für die Verwendung in Verkehrsflugzeugen zuzulassen, da „die verfügbaren Daten nicht belegen, dass der Nutzen die potenziellen Risiken überwiegt und daher ein Risiko unzumutbarer negativer Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit und die Umwelt darstellen könnte“. Die Haltung der EPA hat sich in den letzten drei Jahrzehnten nicht geändert. Dennoch müssen US-amerikanische Fluggesellschaften die Insektenbekämpfungsvorschriften weiterhin einhalten, wenn sie in Länder fliegen, in denen Insektizidspritzungen vorgeschrieben sind – der einzige Unterschied besteht darin, dass dies nicht im US-Luftraum erfolgen darf.
Während die US-Behörden die Notwendigkeit der Flugzeugdesinsektion in Frage stellen und Bedenken hinsichtlich möglicher gesundheitlicher Auswirkungen äußern, haben die Weltgesundheitsorganisation (WHO) und zahlreiche andere Länder den Einsatz von Insektizidsprays in der Nähe von Passagieren in geschlossenen Flugzeugkabinen genehmigt.
Fluggesellschaften geben an, dass die Desinfektion keine Auswirkungen auf Passagiere mit gesundheitlichen Bedenken haben sollte. Dennoch wird allen Betroffenen empfohlen, Mund und Nase während der Desinfektion zu bedecken.
Da die Desinfektion bei geschlossenen Kabinentüren erfolgen muss, ist es unwahrscheinlich, dass Passagiere die Teilnahme an der Desinfektion verweigern können. Einige Kabinenbesatzungsmitglieder sind besorgt über den Einsatz von Insektensprays und lehnen deshalb Flüge zu Zielen ab, an denen Insektizidspritzungen vorgeschrieben sind. Als Reaktion darauf haben einige Fluggesellschaften den verstärkten Einsatz von Langzeit-Sprühverfahren geprüft. Allerdings ist diese Methode in vielen Fällen für viele Fluggesellschaften schlichtweg nicht kosteneffektiv.
Stand 2025 verlangen rund 36 Länder und Gebiete eine Desinfektion in irgendeiner Form. Die folgenden Länder verlangen eine Desinfektion auf allen ankommenden Flügen mittels Sprühverfahren mit Passagieren an Bord:
(lb)

Kompakte Infos zu Airlines, Strecken und Services für Geschäftsreisende.