Batterie- und Wasserstoff-Lkw sind verfügbar, doch der Ausbau von Lade- und Tankinfrastruktur kommt nach Ansicht der Branche nicht schnell genug voran.
Knapp 30 Prozent der CO₂-Emissionen auf Europas Straßen entfallen laut Verband der Automobilindustrie (VDA) auf den Schwerlastverkehr. Auf der IAA Transportation in Hannover forderte der Verband deshalb einen deutlich schnelleren Ausbau der Infrastruktur für alternative Antriebe.
Nach Angaben des VDA seien batterieelektrische Lkw inzwischen für Reichweiten von bis zu 500 Kilometern ausgelegt, Wasserstoff-Lkw erreichten derzeit 700 bis 800 Kilometer. Die Fahrzeuge stünden bereit, der notwendige Ausbau von Lade- und Wasserstofftankstellen komme jedoch nicht schnell genug voran.
VDA-Präsidentin Hildegard Müller erklärte zur Eröffnung der IAA Transportation: „Europaweit mangelt es noch immer an Lade- und Wasserstofftankinfrastruktur mit den begleitenden Energienetzen. Die Lücke zwischen Anspruch und Wirklichkeit ist riesig.“
Aus Sicht des Verbands fehlt es nicht nur an zusätzlichen Ladepunkten, sondern auch an leistungsfähigen Anlagen für den Fernverkehr. Damit Fahrer gesetzliche Lenk- und Pausenzeiten einhalten können, müssten E-Lkw an Megawatt-Ladesäulen schnell geladen werden. Für Deutschland rechnet der VDA bis 2030 mit einem Bedarf von rund 4.000 Megawatt-Ladepunkten. Geplant seien bislang deutlich weniger.
Auch europaweit sieht der Verband Nachholbedarf. Besonders in wichtigen Transitländern wie Polen und Tschechien gebe es größere Versorgungslücken. Müller forderte deshalb verbindliche und ambitionierte Ausbaupläne für Lade- und Wasserstoffinfrastruktur sowie die dazugehörigen Stromnetze.
Bundesverkehrsminister Steffen Bilger verwies auf laufende Maßnahmen zum Aufbau eines Schnellladenetzes für E-Lkw. Dafür stelle der Bund rund eine Milliarde Euro bereit. Ziel sei eine leistungsfähige Grundversorgung entlang der wichtigsten Güterverkehrsachsen.
Nach der Eröffnung der IAA gab Bilger den Start der Umsetzung an 124 unbewirtschafteten Rastanlagen bekannt. Die Ausschreibungen für Standorte an bewirtschafteten Rastanlagen würden vorbereitet. Langfristig sollen an rund 350 Standorten etwa 4.200 Ladepunkte entstehen, darunter rund 1.800 Megawatt-Ladepunkte.
Ergänzend setzt die Bundesregierung auch auf Wasserstofftechnologie. Gefördert werden sollen laut Bilger mindestens 35 Wasserstofftankstellen sowie die Anschaffung von rund 500 Nutzfahrzeugen.

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