Der neue VW ID. Polo verbindet vertrautes VW-Design mit Elektroantrieb, bis zu 454 Kilometer Reichweite und überraschend viel Fahrspaß.
Egal, ob Verbrenner oder Elektroauto: Ein Volkswagen soll auch als solcher erkennbar sein. Nach dieser Devise hat Chefdesigner Andreas Mindt den ID. Polo gestaltet und damit eine klare Abkehr vom bisherigen Design der E-Modelle von VW auf den Weg gebracht.
Mit 4,05 Metern Länge, 1,82 Metern Breite ohne Außenspiegel und 1,53 Metern Höhe bewegt sich der ID. Polo bei den Abmessungen nahe an seinen Verbrenner-Brüdern. Lediglich die Höhe liegt rund acht Zentimeter über der des konventionellen Polo. Und auch optisch ist eindeutig die Familienzugehörigkeit zur kleinen VW-Baureihe zu erkennen. Der ID. Polo ist von vorne, der Seite oder auch von hinten dank der Handschrift von Designer Andreas Mindt eindeutig als Volkswagen zu erkennen.
Technisch hat sich in der mittlerweile siebten Polo-Generation dagegen nahezu alles verändert. Drei unterschiedliche starke E-Motoren mit 85 kW (116 PS), 99 kW (135 PS) und 155 kW (211 PS) stehen zur Wahl, um das VW-Einstiegsmodell über die Vorderräder anzutreiben.
Während die stärkste Maschine mit einer Nickel-Mangan-Kobalt-Batterie (NMC) mit einem Netto-Energiegehalt von 52 kWh kombiniert ist, müssen sich die beiden anderen Varianten mit einem Lithium-Ferrophosphat-Akku (LFP) begnügen, der eine Kapazität von 37 kWh (netto) hat.
Auch die Ladeleistung von maximal 105 kW ist lediglich dem großen Motor vorbehalten. Ansonsten kann mit maximal 88 kW an der DC-Säule geladen werden.
Die Ladedauer indessen unterscheidet sich den Angaben zufolge lediglich um 60 Sekunden. 24 Minuten dauert es, um den größeren Akku von zehn auf 80 Prozent mit frischer Energie zu versorgen, 23 Minuten sind es bei der 37 kWh-Batterie. An der Wallbox kann immer mit bis zu elf kW geladen werden.
Deutliche Unterschiede ergeben sich aufgrund der jeweiligen Batteriegrößen naturgemäß bei der Reichweite. So kommt das Basismodell, das es zudem lediglich in der Trend-Ausstattung gibt, auf eine WLTP-Reichweite von 323 Kilometern bei einem Normverbrauch von 13,8 kWh. Die Version mit 99 kW schafft den Angaben zufolge maximal 331 Kilometer (13,6 kWh), das Spitzenmodell, beide als Style oder Life im Angebot, soll bei 13,3 kWh auf 454 Kilometer kommen.




Für erste Testfahrten stand der ID. Polo mit dem 155 kW starken Elektromotor zur Verfügung. Bei hochsommerlichen Temperaturen ging es über überwiegend auf 50 bis 80 km/h begrenzte Straßen, teilweise waren 130 km/h erlaubt.
Nach knapp 200 zurückgelegten Kilometern zeigte der Bordcomputer 15,2 kWh an – ein mehr als ordentlicher Wert.
Besonders gelungen ist die Fahrwerksabstimmung. Der ID. Polo weist eine breite Spreizung zwischen Komfort und Sportlichkeit auf. Kurze Stöße werden ebenso locker genommen wie lange Wellen. Federung und Dämpfung filtern die meisten Unebenheiten so zuverlässig heraus, dass nur wenig davon im Innenraum ankommt. Auf der anderen Seite geht es bei Bedarf aber auch problemlos mit Power um die Ecken, wie der Stromer bei ein paar Kurven nachdrücklich unter Beweis gestellt hat. Die direkt reagierende Lenkung gibt eine gute Rückmeldung und sorgt dafür, dass der Wagen exakt in der vorgegebenen Spur bleibt. Das sorgt für überraschend viel Fahrspaß.
Der Polo gehört zwar weiterhin zur Kleinwagenklasse. Mit jeder Generation sind seine Abmessungen jedoch gewachsen. Beim ID. Polo kommt ein um drei Zentimeter auf 2,59 Meter verlängerter Radstand hinzu. Das schafft vor allem im Fond etwas mehr Beinfreiheit.
Der Platz im Kofferraum aber hat von 351 auf 441 Liter deutlich zugenommen. Werden die hinteren Lehnen vorgeklappt, stehen 1.240 Liter zur Verfügung, ein Plus von 115 Litern zur sechsten Generation.
Einen Frunk hat der ID. Polo nicht. Dafür aber kann er mit einer Anhängerkupplung bestellt werden. 1,1 Tonnen kann der Stromer mit der großen Batterie ziehen. Stütz- und Dachlast liegen bei 75 Kilogramm.
Pluspunkte sammelt der ID. Polo zudem bei den Bedienelementen. Denn statt weiter die Touch- und Wischfunktionen auszuweiten, haben die Designer dem Stromer wieder deutlich mehr Schalter und Regler zugestanden. So gibt es einen Drehknopf auf der Mittelkonsole für die Lautstärkeeinstellung. Klimaautomatik und Gebläse werden über eine Tastenreihe unterhalb des 13 Zoll großen Infotainment-Touch-Displays bedient.
Vor dem Fahrer am mit klaren Tastenfeldern bestückten Multifunktionslenkrad liegt ein zehn Zoll großes Display.
Ein besonderes Detail ist die Retro-Anzeige des digitalen Cockpits. Über die View-Taste lässt sich eine Darstellung aktivieren, die an das Cockpit des späten Golf 1 erinnert. Links gibt es in diesem Fall einen klassischen Tacho mit Gesamt- und Tageskilometeranzeige. Die aktuell gefahrene Geschwindigkeit sowie die zulässige Höchstgeschwindigkeit werden digital dargestellt. Die rechte Anzeige gleicht im Aufbau einem Drehzahlmesser von einst. Allerdings zeigt er im ID. Polo natürlich keine Motordrehzahlen an, sondern – als Powermeter ausgeführt – die Energieabgabe oder Energierückgewinnung des Antriebs. Digital angezeigt werden hier zudem die Batterieladung in Prozent und die Reichweite in Kilometern.
Auch das zentrale Infotainment-Display kann sich optisch in vergangene Jahrzehnte zurückversetzen. Mit einer Wischbewegung wechselt der Homescreen in einen Stil der 1970er und 1980er Jahre. So wird die Navigationskarte im Stil eines Fernsehgeräts der damaligen Zeit dargestellt, das Radio erscheint in einem Frequenzband und der Ladestand der Batterie taucht als klassische Tankanzeige auf.

Angeboten wird der ID. Polo als Trend, Life und Style. In der Basisausstattung sind die hinteren Lehnen asymmetrisch geteilt umklappbar und die vorderen Sitze in der Höhe verstellbar. Zudem gibt es zwei USB-Anschlüsse mit einer Ladeleistung von bis zu 60 W, DAB+-Radio, eine Telefonschnittstelle, Klimaautomatik, LED-Scheinwerfer, Regensensor, 17-Zoll-Stahlräder und eine Reihe von Assistenzsystemen. Das alles kostet dann 21.004 Euro (netto).
Die von uns gefahrene Topversion Style ist deutlich umfangreicher ausgestattet. Unter anderem gehören beheizbare Sportsitze vorn, Matrix-Scheinwerfer, 17-Zoll-Leichtmetallräder, ein Sprachassistent und ein Harman-Kardon-Soundsystem zum Angebot. Dafür werden mindestens 28.399 Euro netto fällig.


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