PwC Deutschland reist seit Jahren ohne eigene Dienstwagenflotte. Wie der Wechsel zu Bahn, ÖPNV und weiteren Mobilitätsangeboten im Geschäftsalltag gelingt.
Die etwas andere Geschäftsreise beginnt für Steffen Leffler mit einer Bestätigung. Eine Kollegin aus München plant zum Beispiel einen Kundentermin in Hamburg. Dann, berichtet er, führt sie ihr erster Schritt ins Reisebuchungssystem – und dort zur Frage, ob der Termin wirklich vor Ort stattfinden müsse. Sie bejaht und wählt nun das Verkehrsmittel: die Bahn. „Ich komme so in der Regel entspannter beim Mandanten an, nicht gehetzt durch die lange Autofahrt“, sagt Leffler, der bei PwC Deutschland als Partner und Berater für Mobilität arbeitet. Er erzählt das, weil in der Auswahl der Kollegin eine Option fehlt: der Dienstwagen.
Dieses Beispiel ist beim Beratungsunternehmen heute die Regel. PwC hat vor Jahren seine Leasingflotte langsam aufgelöst. Heute kommt das Unternehmen ohne eigenen Fuhrpark aus und hält keine Pool- oder Servicefahrzeuge vor. Dennoch bewegt PwC 15.000 Beschäftigte an 20 Standorten zu Mandanten, Projekten oder internen Treffen. Wie gelingt das ohne eigene Fahrzeuge? Die Antwort beginnt mit einer schrittweisen Umstellung.
Die Transformation beginnt, als PwC die Leasingangebote für Mitarbeitende und Führungskräfte einstellt. Für Geschäftsfahrten nutzen Beschäftigte damals zunächst private Fahrzeuge und rechnen Kilometer ab. Es folgt ein mehrstufiger Prozess: „Wir sind Stück für Stück vorgegangen, um die Veränderung verdaubar zu machen und die Mitarbeitenden mitzunehmen“, so Leffler. Zunächst begrenzt das Unternehmen die abrechenbare Kilometerleistung. Parallel sollen Beschäftigte innerdeutsche Flüge vermeiden und häufiger die Bahn nutzen.
Finanziell lohnt sich der Wechsel kaum. Flexible Bahntickets können mögliche Kosteneinsparungen teilweise wieder aufzehren. Für PwC ist das jedoch zweitrangig. Das Hauptmotiv für den Mobilitätswandel ist die Verbesserung der CO₂-Bilanz. Bis 2030 will das Unternehmen seine gesamten Emissionen gegenüber 2019 halbieren.
Eine Zwischenbilanz ist positiv: Im Bereich Business Travel vermeldet der Konzern für das Geschäftsjahr 2025, das am 30. Juni 2025 endete, einen Wert von circa 19.000 Tonnen CO₂. „Im Geschäftsjahr 2019 waren es rund 40.000“, schreibt ein Konzernsprecher. „Dienstreisen machen den größten Anteil unseres CO₂-Ausstoßes aus“, sagt Daniela Geretshuber, Head of Corporate Sustainability. „Gleichzeitig sind sie wichtig, um Beziehungen in den Teams, aber auch mit Kunden und Mandanten zu pflegen.“
Für dieses Klimaziel setzt PwC im nächsten Schritt bei der Reise selbst an. Das Programm #mindfultravel, also achtsames Reisen, will diese Transformation unterstützen. Das Prinzip dahinter ist, „unsere Mitarbeitenden zu empowern und anzuleiten, die richtigen und nachhaltigen Reiseentscheidungen zu treffen“, sagt Oliver Bransch, Senior Manager im Bereich Travel Management bei PwC Deutschland.
Steffen Leffler formuliert die dafür wichtigsten Fragen: „Wo muss ich wirklich vor Ort sein? Wo kann ich Reisen noch stärker auf emissionsärmere Verkehrsmittel verlagern?“ Gleichzeitig versuchen Führungskräfte, Kundenteams möglichst mit Beschäftigten aus der jeweiligen Region zu besetzen. Die Folge: Interne und externe Treffen finden nun häufiger virtuell statt.
Bleibt eine Reise notwendig, ersetzen Bahn und öffentlicher Nahverkehr häufiger Auto oder Flugzeug. Auch das Deutschlandticket trägt dazu bei: Wer den Nahverkehr bereits bezahlt hat, nutzt ihn eher für die letzte Meile – statt eines Taxis. Das Ergebnis laut PwC: Gegenüber 2019 gibt es zwei Drittel weniger innerdeutsche Flüge. Die Zahl der bei Dienstreisen mit privatem Pkw oder Mietwagen gefahrenen Kilometer hat sich halbiert.
Die Maßnahmen greifen, doch PwC merkt auch: Übergreifende Regeln lassen sich wegen unterschiedlicher Anforderungen nur schwer formulieren. Manchmal passen etwa CO₂-Ziele nicht zum jeweiligen Einsatzszenario oder Kundenwunsch. Deshalb befragt das Unternehmen Mitarbeitende aus verschiedenen Bereichen. Das Ziel: Kriterien für die Entscheidung „Videocall oder Treffen vor Ort?“
Ein Ergebnis: Den Mitarbeitenden steht nun ein Leitfaden zur Verfügung, der bei der Entscheidung helfen soll. „Damit erhalten unsere Mitarbeitenden ausreichend Freiheit bei der Entscheidung für oder gegen eine Reise oder bei der Wahl des Verkehrsmittels“, resümiert Leffler.
Allerdings verändert eine neue Reiserichtlinie noch keine Gewohnheit. „Man muss den Change kommunikativ begleiten, erklären, warum man etwas macht und wo man hin möchte“, sagt Leffler. Deshalb macht PwC die Folgen der Reisen sichtbar.
In Kaffeeküchen hängen nun Übersichten, die für jeden Standort Flug-, Pkw- und Bahnkilometer zeigen. „Ich habe da immer gerne draufgeguckt: Sind wir im Mittelfeld oder darunter?“, erzählt Leffler. Oft löst der Vergleich Gespräche aus – oder schärft das Bewusstsein für die Frage, ob eine Reise wirklich nötig ist. Diesen Effekt will PwC künftig verstärken. Die CO₂-Wirkung soll noch näher an die einzelne Entscheidung rücken. In Zukunft wird während der Buchung berechnet und angezeigt, welchen CO₂-Fußabdruck das gewählte Verkehrsmittel verursacht. Zeitgemäße Geschäftsreisen beginnen bei PwC damit künftig nicht nur mit einer Bestätigung – sondern auch mit einer Zahl.
Ohne eigene Fahrzeuge braucht es flexible Lösungen für kurze Strecken. Dort kann Bike-Sharing ansetzen: Beschäftigte reisen mit der Bahn an, leihen am Bahnhof ein Fahrrad und geben es am Büro oder beim Kunden ab. „Fahrradsharing und der ÖPNV ergänzen sich gegenseitig“, sagt Mathias Weber, Commercial Director von Nextbike. Der Sharing-Anbieter bedient Mittelständler, Kliniken oder Unternehmen mit eigenen Campussen. Der Trend? „Immer mehr Unternehmen fragen nach E-Bikes, um auch längere Strecken und Fahrten abzudecken.“ Der Vorteil gegenüber einem eigenen Dienstrad ist die Flexibilität. „Auf dem Hinweg zum Termin scheint die Sonne, dann fahre ich mit dem Fahrrad. Wenn der Regen kommt, steige ich auf dem Rückweg in den Bus oder ins Taxi.“ Das Sharing-Rad muss niemand zurückholen, Wartung und Reparaturen übernimmt der Anbieter.
Wer einsteigen will, macht zunächst einen kleinen Schritt: Nextbike empfiehlt ein Pilotprojekt mit einer definierten Nutzergruppe und Jahreszugängen zum Nextbike-Netzwerk. Anschließend zeigen Kennzahlen wie aktivierte Zugänge, Fahrtenzahl und durchschnittliche Fahrtdauer, ob das Angebot angenommen wird. Die Daten stellt der Anbieter aggregiert bereit. Wie das konkret aussehen kann, zeigt die LVR-Klinik Langenfeld: Seit Juni 2026 stehen Beschäftigten 20 Sharing-Räder von Nextbike zur Verfügung. Sie verbinden den S-Bahnhof mit dem Klinikgelände und schließen damit die Lücke zwischen Bahn und Arbeitsplatz. Die Räder können Mitarbeitende kostenlos nutzen.
Wer spät am Flughafen ankommt, mehrere Kundentermine an einem Tag wahrnimmt oder Werkzeug und Gepäck transportiert, braucht weiterhin ein Auto. Aber nicht unbedingt ein eigenes – und da kommen Ride-Hailing-Dienste wie Uber for Business ins Spiel: Beschäftigte buchen die Fahrt bei Bedarf per App, das Unternehmen erhält eine zentrale Abrechnung. „Wir reihen uns in diese Mobilitätskette ein und machen die letzte Meile“, sagt Joachim Marschal, Deutschland-Chef bei Uber for Business.
Der Vorteil liegt im Kostenmodell. Statt Fahrzeuge zu kaufen oder zu leasen, bezahlen Unternehmen „pay as you go“. „Du bezahlst am Ende nur das, was du brauchst.“ Das gilt etwa für Fahrten vom Flughafen zum Büro, vom Hotel zum Kunden oder zwischen Geschäftsterminen. „Vor Ort habe ich kein eigenes Auto mehr, sondern nutze die Uber App.“
Eine Grenze, ab wann Ride-Hailing wirtschaftlicher ist, hängt von Fahrprofilen, Auslastung und Standorten ab. Uber for Business sieht seine Stärke in der Kombination aus variablen Kosten, digitaler Buchung, zentraler Abrechnung und CO₂-Reporting über ein Dashboard. Und die Grenzen? Es funktioniert dort, wo Fahrzeuge verfügbar sind. Aktuell also in mehr als 70 deutschen Städten.

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