Während eines Flugzeugbrandes verlassen Passagiere oft die Maschine mit ihrem Gepäck. Experten warnen vor Verzögerungen und fordern Konsequenzen.
Eine Boeing 737 von American Airlines musste am 26. Juli 2023 am Denver International Airport geräumt werden, nachdem ein Bremsbrand am Hauptfahrwerk ausgebrochen war. Aufnahmen zeigten, dass zahlreiche Passagiere ihr Gepäck mit aus dem Flugzeug nahmen.
Der Flug AA‑3023, durchgeführt mit einer drei Jahre alten Boeing 737 Max 8, rollte gegen 13 Uhr zum Start nach Miami, als die Bremsen des linken Hauptfahrwerks überhitzten und Feuer fingen. Dichter Rauch breitete sich schnell um das Flugzeug aus.
Die Besatzung leitete daraufhin eine Notevakuierung über Notrutschen und Notausgänge ein. Insgesamt 173 Passagiere und sechs Besatzungsmitglieder verließen die Maschine. Fünf Personen erlitten leichte Verletzungen, eine Person wurde zur Untersuchung in ein Krankenhaus gebracht. Schwere Verletzungen wurden nicht gemeldet.
Auf in sozialen Medien veröffentlichten Videos war zu sehen, wie Passagiere mit Handtaschen, Rucksäcken und größeren Reisetaschen aus dem Flugzeug flüchteten. Dieses Verhalten kann Evakuierungen erheblich verzögern und andere Menschen gefährden.
Trotz entsprechender Hinweise in Sicherheitseinweisungen kommt dies regelmäßig vor. Bereits im Mai 2019 starben 41 Menschen bei einer Notlandung eines Sukhoi Superjet 100 in Moskau. Es wurde vermutet, dass Passagiere im vorderen Bereich durch das Herausholen von Gepäck die Evakuierung verzögerten.
Eine Studie der Royal Aeronautical Society (RAeS) aus dem Jahr 2018 zeigte, dass bis zu 75 Prozent der Befragten ihr Gepäck mitnehmen würden, wenn sie keine unmittelbare Gefahr wahrnehmen. Selbst bei vermuteter Lebensgefahr würden noch 35 Prozent danach greifen.
Als Gründe wurden insbesondere ein instinktives Verhalten sowie Sorgen genannt, das Gepäck nicht zurückzubekommen. Rund ein Drittel wollte den Aufwand vermeiden, verlorene Gegenstände zu ersetzen, während andere ihre persönlichen Gegenstände als zu wertvoll einschätzten.
Diskutiert wurden unter anderem verriegelte Gepäckfächer, die sich nach der Startvorbereitung nicht mehr öffnen lassen. Experten gehen jedoch davon aus, dass dies Evakuierungen zusätzlich verzögern könnte.
Auch eine strengere Begrenzung von Handgepäck wird als Option gesehen, widerspricht jedoch dem Trend zu größeren Gepäckfächern. Daher forderten einige Sicherheitsexperten, Passagiere bei Verstößen gegen Evakuierungsregeln mit Geldstrafen oder strafrechtlichen Maßnahmen zu belegen. Ob dies abschreckend wirken würde, bleibt offen. (lb)

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