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Nachhaltige Reiserichtlinie

Nachhaltig nächtigen: Darauf kommt es bei der Hotelwahl an

Warum Nachhaltigkeitsaspekte bei der Buchung von Unterkünften immer wichtiger werden und worauf Travel Manager und Geschäftsreisende achten sollten.

4 Min.07.08.2026, 09:00 Uhr
Von
Stefanie Hütz
Stefanie Hütz
Stefanie Hütz
Ein Comicbild auf dem eine Frau an einer Hotelrezeption eincheckt.
Zu einer nachhaltigen Geschäftsreiseplanung gehört die adäquate Hotelwahl. Arya Mahendra – stock.adobe.com

Zitiervorschlag

Nachhaltig nächtigen: Darauf kommt es bei der Hotelwahl an. In: /hotel/nachhaltig-naechtigen-darauf-kommt-es-bei-der-hotelwahl-an, 07.08.2026, /hotel/nachhaltig-naechtigen-darauf-kommt-es-bei-der-hotelwahl-an (abgerufen am: 05.11.2026)

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Stefanie Hütz
Stefanie Hütz

Freie Autorin für Hotel, Flugreisen, Branche & Markt, Bahnreisen und Management

Preisobergrenzen stehen in den Reiserichtlinien von Unternehmen bei der Unterkunftswahl an erster Stelle. Doch neben der Kostenkontrolle gewinnen zunehmend Nachhaltigkeitsaspekte an Bedeutung. Jens Schließmann, Geschäftsführer des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR), bestätigt: „Aus Sicht des VDR ist das Bewusstsein für nachhaltige Kriterien bei der Hotelwahl in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen – und das quer durch alle Unternehmensgrößen.“

Nachhaltigkeit etabliert sich als Buchungskriterium

Der Grund ist klar. Immer mehr Unternehmen verfolgen Nachhaltigkeitsstrategien und setzen sich Ziele zur Reduktion ihres ökologischen Fußabdrucks. Die gesetzlichen ESG-Vorgaben (ESG = Environment, Social, Governance) nehmen zu. Größere Unternehmen sind durch Vorgaben wie die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) zu mehr Transparenz verpflichtet. Dazu gehört auch die Erfassung der Emissionen von Geschäftsreisen.

Johanna Freimuth, Mediensprecherin der Rewe Group, sagt exemplarisch: „Nachhaltigkeit ist ein fester Bestandteil der strategischen Ausrichtung der Rewe Group und prägt unser Handeln entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Daher ist es auch unser Ziel, dienstlich notwendige Reisen möglichst verantwortungsvoll zu gestalten. Nachhaltige Aspekte sind in den konzernweiten Regelungen zu Dienstreisen verankert.“

Branchenunterschiede bei nachhaltigen Geschäftsreisen

Jens Schließmann berichtet: „Nachhaltigkeit wird zunehmend zu einem echten Beschaffungskriterium, aber der Stellenwert variiert je nach Branche und Emissionsprofil.“ Konkret bedeutet das: „In Branchen mit emissionsintensivem Kerngeschäft – etwa Industrie, Energie oder Produktion – spielt nachhaltiges Reisen eine kleinere Rolle, weil andere Emissionsquellen dominieren. In dienstleistungsorientierten Branchen wie Beratung, Finanzen oder Professional Services rückt das Reiseprofil dagegen stärker in den Fokus, da Geschäftsreisen dort einen größeren Anteil an den Gesamtemissionen ausmachen.“

Simon-Kucher ist ein prägnantes Beispiel: „Als internationales Beratungsunternehmen entstehen die größten Emissionen unseres Corporate Carbon Footprints durch Reisetätigkeiten, denn der persönliche Austausch bleibt ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit“, so Anne Rupp, Global Head of ESG bei Simon-Kucher. Das Unternehmen verfolgt eine eigene Klimastrategie, in der SBTI-validierte Emissionsreduktionsziele verankert sind. SBTI steht für die Science Based Targets Initiative. Diese unabhängige Organisation prüft, ob Unternehmensziele wissenschaftlich fundiert und mit dem Pariser Klimaabkommen vereinbar sind. Der Anspruch spiegelt sich in der Global Travel Guideline von Simon-Kucher wider. Im Mittelpunkt stehen bislang jedoch „die An- und Abreise beziehungsweise die Wahl des Verkehrsmittels“.

Anne Rupp ist Global Head of ESG bei Simon-Kucher.
Anne Rupp, Global Head of ESG bei Simon-Kucher Simon-Kucher

„Als internationales Beratungsunternehmen entstehen die größten Emissionen unseres Corporate Carbon Footprints durch Reisetätigkeiten.“

Nachhaltige Hotelwahl: Herausforderungen in der Praxis

Bei vielen Unternehmen ist das ähnlich. Die Gründe laut Anne Rupp: „Bei Hotelübernachtungen fallen die direkten Emissionen in der Regel geringer aus und es müssen oft verschiedene Faktoren gegeneinander abgewogen werden.“ Jens Schließmann fügt hinzu: „Viele Unternehmen arbeiten heute mit klaren Bewertungsmethoden bei Fuhrpark, Flug und Bahn. Hotels sind emissionsseitig deutlich komplexer zu bewerten, zudem gibt es eine Vielzahl an Zertifizierungen, die nicht durchgängig vergleichbar sind.“ Das Umweltbundesamt (UBA) hat für den Bund eine Liste von 31 Muss-Kriterien für Hotel-Labels erarbeitet. Denn auch die Bundesverwaltung hat sich zum Ziel gesetzt, Dienstreisen nachhaltiger zu gestalten. Folgende Zertifizierungen erfüllen dem UBA zufolge derzeit die Kriterien:

  • EU Ecolabel (für Beherbergungsbetriebe)
  • Hotel Carbon Measurement Initiative (HCMI) – World Sustainable Hospitality Alliance
  • Viabono plus
  • EarthCheck
  • Preferred by Nature

Folgende weitere Label erfüllen die UBA-Kriterien bisher nicht in ausreichendem Umfang, werden aber übergangsweise für die Hotelliste des Bundes akzeptiert:

  • Green Sign (Level 4 und 5)
  • Green Globe Certification (Platin, Gold, Basis)
  • Certified Green Hotels
  • Green Key und
  • Travellife (Gold)

Die drei Top-Aspekte für eine nachhaltige Hotelwahl

Der VDR stellt seinen Mitgliedern das Praxispapier „Empfehlungen für nachhaltige Elemente in der Reiserichtlinie“ zur Verfügung. Dieses enthält ein eigenes Kapitel zur nachhaltigen Auswahl von Unterkünften. Zu den Top-3-Aspekten zählen:

  1. Bevorzugung nachhaltig zertifizierter Hotels. Um Greenwashing zu vermeiden, sollten Unternehmen dabei auf die Qualität des Zertifizierungssystems achten.
  2. Hotels sollten möglichst nah am Zielort liegen und gut mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar sein. So lassen sich zusätzliche Wege und CO₂-Emissionen vermeiden.
  3. Unternehmen sollten sicherstellen, dass transparente Nachhaltigkeitsinformationen im Buchungsprozess oder Hotelportal sichtbar sind. „Kennzeichnungen wie ‚eco-friendly‘ werden in unseren Buchungstools teilweise bereits angezeigt“, unterstreicht Anne Rupp und ergänzt, dass auch die beiden ersten Kriterien bei Simon-Kucher relevant sind.

Der VDR rät, Nachhaltigkeitskriterien außerdem im Einkauf zu berücksichtigen, also in die Hotel-Ausschreibungen (RFPs) aufzunehmen – „zunächst als Orientierung, später als verbindliche Vorgabe“.

Wo Hotels nachhaltiger werden können

Die Global Business Travel Association (GBTA) gibt einen Leitfaden zur Bewertung und Auswahl von Hotels nach Nachhaltigkeitskriterien für Unternehmen heraus. (Potenzielle) Preferred Partner sollten demnach insbesondere zu ihrem Engagement in den Bereichen Energie- und Wasserverbrauch, erneuerbare Energien, Beschaffung und Abfallwirtschaft sowie zu nachhaltigen Transportoptionen und Ladestationen für E-Fahrzeuge befragt werden. Wichtige Vergleichs- und Reportingwerte sind etwa der CO₂-Fußabdruck sowie der Wasserverbrauch pro belegtem Zimmer und Nacht, der jährliche Abfall pro Quadratmeter oder der Anteil erneuerbarer Energien am Energiemix.

Jens Schließmann ist Geschäftsführer beim Verband Deutsches Reisemanagement (VDR).
Jens Schließmann, Geschäftsführer Verband Deutsches Reisemanagement VDR

„Aus Sicht des VDR ist das Bewusstsein für nachhaltige Kriterien bei der Hotelwahl in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen – und das quer durch alle Unternehmensgrößen.“

Mitarbeitende für nachhaltiges Reisen sensibilisieren

Eine wichtige Zusatzmaßnahme bei Simon-Kucher: „Wir setzen auf Kommunikations- und Awareness-Maßnahmen auf globaler und lokaler Ebene, um Mitarbeitende für die Auswirkungen ihrer Reiseentscheidungen zu sensibilisieren und die Berücksichtigung nachhaltigerer Alternativen zu fördern“, erläutert Anne Rupp. Denn die Geschäftsreisenden selbst sind ein wesentlicher Schlüssel dafür, dass Nachhaltigkeitsaspekte genauso selbstverständlich in Buchungsprozesse einfließen wie Preis, Lage, Komfort oder Gästebewertungen.

To-do-Liste für eine nachhaltige Geschäftsreise

  1. Strategieentwicklung und Einbindung in Reiserichtlinien
  2. Lieferantenmanagement (Auswahl von Partnern)
  3. Emissionsmanagement (Messung, Analyse und Reporting des Fußabdrucks von Dienstreisen)
  4. Sensibilisierung und Schulung von Mitarbeitenden
Ein Schild des Logos eines Dertour Reisebüros.
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