Warum Nachhaltigkeitsaspekte bei der Buchung von Unterkünften immer wichtiger werden und worauf Travel Manager und Geschäftsreisende achten sollten.
Preisobergrenzen stehen in den Reiserichtlinien von Unternehmen bei der Unterkunftswahl an erster Stelle. Doch neben der Kostenkontrolle gewinnen zunehmend Nachhaltigkeitsaspekte an Bedeutung. Jens Schließmann, Geschäftsführer des Verbands Deutsches Reisemanagement (VDR), bestätigt: „Aus Sicht des VDR ist das Bewusstsein für nachhaltige Kriterien bei der Hotelwahl in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen – und das quer durch alle Unternehmensgrößen.“
Der Grund ist klar. Immer mehr Unternehmen verfolgen Nachhaltigkeitsstrategien und setzen sich Ziele zur Reduktion ihres ökologischen Fußabdrucks. Die gesetzlichen ESG-Vorgaben (ESG = Environment, Social, Governance) nehmen zu. Größere Unternehmen sind durch Vorgaben wie die Corporate Sustainability Reporting Directive (CSRD) zu mehr Transparenz verpflichtet. Dazu gehört auch die Erfassung der Emissionen von Geschäftsreisen.
Johanna Freimuth, Mediensprecherin der Rewe Group, sagt exemplarisch: „Nachhaltigkeit ist ein fester Bestandteil der strategischen Ausrichtung der Rewe Group und prägt unser Handeln entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Daher ist es auch unser Ziel, dienstlich notwendige Reisen möglichst verantwortungsvoll zu gestalten. Nachhaltige Aspekte sind in den konzernweiten Regelungen zu Dienstreisen verankert.“
Jens Schließmann berichtet: „Nachhaltigkeit wird zunehmend zu einem echten Beschaffungskriterium, aber der Stellenwert variiert je nach Branche und Emissionsprofil.“ Konkret bedeutet das: „In Branchen mit emissionsintensivem Kerngeschäft – etwa Industrie, Energie oder Produktion – spielt nachhaltiges Reisen eine kleinere Rolle, weil andere Emissionsquellen dominieren. In dienstleistungsorientierten Branchen wie Beratung, Finanzen oder Professional Services rückt das Reiseprofil dagegen stärker in den Fokus, da Geschäftsreisen dort einen größeren Anteil an den Gesamtemissionen ausmachen.“
Simon-Kucher ist ein prägnantes Beispiel: „Als internationales Beratungsunternehmen entstehen die größten Emissionen unseres Corporate Carbon Footprints durch Reisetätigkeiten, denn der persönliche Austausch bleibt ein wichtiger Bestandteil unserer Arbeit“, so Anne Rupp, Global Head of ESG bei Simon-Kucher. Das Unternehmen verfolgt eine eigene Klimastrategie, in der SBTI-validierte Emissionsreduktionsziele verankert sind. SBTI steht für die Science Based Targets Initiative. Diese unabhängige Organisation prüft, ob Unternehmensziele wissenschaftlich fundiert und mit dem Pariser Klimaabkommen vereinbar sind. Der Anspruch spiegelt sich in der Global Travel Guideline von Simon-Kucher wider. Im Mittelpunkt stehen bislang jedoch „die An- und Abreise beziehungsweise die Wahl des Verkehrsmittels“.

„Als internationales Beratungsunternehmen entstehen die größten Emissionen unseres Corporate Carbon Footprints durch Reisetätigkeiten.“
Bei vielen Unternehmen ist das ähnlich. Die Gründe laut Anne Rupp: „Bei Hotelübernachtungen fallen die direkten Emissionen in der Regel geringer aus und es müssen oft verschiedene Faktoren gegeneinander abgewogen werden.“ Jens Schließmann fügt hinzu: „Viele Unternehmen arbeiten heute mit klaren Bewertungsmethoden bei Fuhrpark, Flug und Bahn. Hotels sind emissionsseitig deutlich komplexer zu bewerten, zudem gibt es eine Vielzahl an Zertifizierungen, die nicht durchgängig vergleichbar sind.“ Das Umweltbundesamt (UBA) hat für den Bund eine Liste von 31 Muss-Kriterien für Hotel-Labels erarbeitet. Denn auch die Bundesverwaltung hat sich zum Ziel gesetzt, Dienstreisen nachhaltiger zu gestalten. Folgende Zertifizierungen erfüllen dem UBA zufolge derzeit die Kriterien:
Folgende weitere Label erfüllen die UBA-Kriterien bisher nicht in ausreichendem Umfang, werden aber übergangsweise für die Hotelliste des Bundes akzeptiert:
Der VDR stellt seinen Mitgliedern das Praxispapier „Empfehlungen für nachhaltige Elemente in der Reiserichtlinie“ zur Verfügung. Dieses enthält ein eigenes Kapitel zur nachhaltigen Auswahl von Unterkünften. Zu den Top-3-Aspekten zählen:
Der VDR rät, Nachhaltigkeitskriterien außerdem im Einkauf zu berücksichtigen, also in die Hotel-Ausschreibungen (RFPs) aufzunehmen – „zunächst als Orientierung, später als verbindliche Vorgabe“.
Die Global Business Travel Association (GBTA) gibt einen Leitfaden zur Bewertung und Auswahl von Hotels nach Nachhaltigkeitskriterien für Unternehmen heraus. (Potenzielle) Preferred Partner sollten demnach insbesondere zu ihrem Engagement in den Bereichen Energie- und Wasserverbrauch, erneuerbare Energien, Beschaffung und Abfallwirtschaft sowie zu nachhaltigen Transportoptionen und Ladestationen für E-Fahrzeuge befragt werden. Wichtige Vergleichs- und Reportingwerte sind etwa der CO₂-Fußabdruck sowie der Wasserverbrauch pro belegtem Zimmer und Nacht, der jährliche Abfall pro Quadratmeter oder der Anteil erneuerbarer Energien am Energiemix.

„Aus Sicht des VDR ist das Bewusstsein für nachhaltige Kriterien bei der Hotelwahl in den vergangenen Jahren spürbar gestiegen – und das quer durch alle Unternehmensgrößen.“
Eine wichtige Zusatzmaßnahme bei Simon-Kucher: „Wir setzen auf Kommunikations- und Awareness-Maßnahmen auf globaler und lokaler Ebene, um Mitarbeitende für die Auswirkungen ihrer Reiseentscheidungen zu sensibilisieren und die Berücksichtigung nachhaltigerer Alternativen zu fördern“, erläutert Anne Rupp. Denn die Geschäftsreisenden selbst sind ein wesentlicher Schlüssel dafür, dass Nachhaltigkeitsaspekte genauso selbstverständlich in Buchungsprozesse einfließen wie Preis, Lage, Komfort oder Gästebewertungen.

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