Delhis zweiter Flughafen ist fertig und hat seinen Flugbetrieb aufgenommen. Am ersten Tag starteten bereits drei Airlines vom Noida International Airport.
Der von einer Tochtergesellschaft der Flughafen Zürich AG gebaute Noida International Airport (IATA-Code DXN) ist fertig und hat am 15. Juni 2026 seinen kommerziellen Flugbetrieb aufgenommen. Drei Airlines starteten bereits am zweiten Flughafen von Delhi, der nach dem Vollausbau 70 Millionen Passagiere jährlich abfertigen soll.
Der Bau des internationalen Flughafens Noida (ursprünglich 2001 vom damaligen Ministerpräsidenten von Uttar Pradesh, Rajnath Singh, als neues Taj International Aviation Hub vorgeschlagen) war von Standortwechseln und politischen Veränderungen geprägt. Ursprünglich in der Nähe von Greater Noida geplant, verzögerte sich das Projekt aufgrund der Nähe zum Flughafen Indira Gandhi in Delhi und des Vorkaufsrechts der GMR Group. Unter einer anderen Landesregierung wurde das Projekt kurzzeitig auch in Agra erwogen, wurde aber schließlich wieder aufgenommen und 2014 nach Jewar zurückverlegt.
Noida ist eine 1976 gegründete Retortenstadt mit 650.000 Einwohnern, rund 19 km südöstlich von New Delhi. Auch wenn ihr Name nicht so bekannt ist wie der anderer indischer Metropolen, ist sie eine Hochburg der aufstrebenden Wirtschaftsmacht Indien. In der Stadt haben sich unzählige IT-Unternehmen angesiedelt.
Vor 25 Jahren wurde von der Politik das Projekt eines neuen Flughafens östlich von Delhi erstmals ins Spiel gebracht. Aber erst 15 Jahre später beschloss die Regierung des Bundesstaates Uttar Pradesh definitiv, den Plan weiterzuverfolgen.
2019 wurde die Konzession für den Noida International Airport vergeben – an die Flughafen Zürich AG. Die Schweizer bauten den neuen Airport nicht nur, sie werden ihn nach der Eröffnung auch 40 Jahre lang betreiben. Dafür gründeten sie die Yamuna International Airport Private Limited (YIAPL) als 100-prozentige Tochtergesellschaft der Zürich Airport International AG.
Die grundlegende Infrastruktur wie Rollwege, Start- und Landebahn, Vorfeld, Kontrollturm und Terminal ist fertig, ebenso der direkte Anschluss an die Autobahn. Die Betriebslizenz durch die indische Luftfahrtbehörde Directorate General of Civil Aviation (DGCA) liegt vor. Am 15. Juni 2026 läutete Airline Indigo den Start des Linienbetriebs ein, kurz darauf folgte Akasa Air.
Laut Operativchefin Kiran Jain sollen von Noida aus vor allem Strecken in die Golfregion und nach Saudi-Arabien angeboten werden. Der Airport will eine Umsteigezeit von nationalen zu internationalen Flügen von 60 Minuten anbieten. Das sei einmalig, so die Managerin. Auch Flüge nach Amsterdam oder Frankfurt seien denkbar.
750 Millionen Schweizer Franken (ca. 815 Mio. Euro) hat die Flughafen Zürich AG, Eigentümerin des Schweizer Lufthansa Hubs und Betreiberin des Flughafens Zürich, in das Projekt Noida International Airport investiert.
Die Schweizer setzen dabei nicht nur auf die starke Wirtschaftskraft der Region. Deren Einzugsgebiet östlich von Delhi weist eine Bevölkerung von bis zu 95 Millionen Menschen auf.
Die Region umfasst auch Großstädte wie Agra, Ghaziabad, Mathura oder Meerut. Auch touristisch bietet die Region viel. In ihr liegen Sehenswürdigkeiten wie der Taj Mahal oder die Geburtsstätte des Gottes Krishna.
Der indische Markt wächst dank größer werdender Mittelschicht und Wirtschaftskraft rasant. Die International Air Transport Association (IATA) sagt in den kommenden 20 Jahren ein Wachstum von durchschnittlich 5,6 Prozent pro Jahr voraus. Im Klartext: Bis zum Jahr 2044 soll es auf dem Subkontinent zu zusätzlichen 425 Millionen Passagierflügen pro Jahr führen, schätzt der Dachverband der internationalen Luftfahrt. Das entspreche fast einer Verdreifachung gegenüber heute. Und davon wird auch Noida profitieren.
Dank der starken Wirtschaftskraft ist Noida auch für Fracht interessant. Der Flughafen Zürich hat am Flughafen Noida ein 27.000 Quadratmeter großes Luftfrachtterminal gebaut. Bereit zum Start, beträgt seine Umschlagkapazität über 250.000 Tonnen pro Jahr.
Das Terminal des Noida International Airport, das in Phase I über 25 Gates verfügt, ist mit modernster Technik ausgestattet. Passagiere gelangen mit Gesichtserkennung ins Terminal. Beim Check-in stehen neben klassischen Schaltern viele Self-Service-Kioske und Automaten zur selbstständigen Gepäckaufgabe bereit. Nur bei der Sicherheitskontrolle stehen noch alte Scanner. Denn die moderne Technologie CT-Scanner ist in Indien vorerst noch nicht zugelassen.
„Wir verbinden hier Schweizer Effizienz mit geradlinigem Design, digitalerem Zugang, intuitiver Gestaltung und indischer Herzlichkeit“, betont Jain. So setze man bei Farben, Speisenauswahl und Kunstwerken, aber auch beim einzigartigen Ansatz in Sachen Gastfreundschaft und Kundenservice ganz auf Heimisches.
Dass in Noida viel Zürich steckt, erkennen Experten an einer Gemeinsamkeit: Die Pisten des neuen Airports sind genau gleich ausgerichtet wie die Hauptbahn des Schweizer Flughafens, sie heißen deshalb beide 10/28.
Im Endausbau wird es zwei Start-/Landebahnen geben: 10L/28R und 10R/28L. Und viele zusätzliche Rollwege, ein viel größeres Vorfeld, ein deutlich erweitertes Terminal. Auch eine U-Bahn-Linie zum Airport soll dann stehen.
Das Ground Transportation Centre (GTC) ist ein acht Hektar großes Gelände, nur wenige Gehminuten vom Terminal 1 und dem zukünftigen Terminal 2 entfernt. In der ersten Phase werden hier ausschließlich Taxis und Busse abgefertigt. Der Flughafen Noida arbeitet mit den öffentlichen Verkehrsbetrieben der Nachbarstaaten (wie UPSRTC aus Uttar Pradesh, Haryana Roadways aus Haryana und UTC aus Uttarakhand) sowie mit Fahrdienstvermittlern (wie Uber, Mahindra Mobility, Rapido usw.) zusammen, um die Anbindung an den Nahverkehr (Fern- und Nahverkehr mit Bussen und Taxis – 10–20 km/h) zu gewährleisten. Für diese Dienste stehen ausgewiesene Parkplätze zur Verfügung.
Das GTC wird in drei Phasen bis 2030 fertiggestellt. Busse und Pkw werden ebenerdig abgestellt, die zukünftigen U-Bahn- und Namo-Bharat-Bahnhöfe befinden sich unterirdisch, und in der zweiten Ebene (Ebene 2) werden Einzelhandelsgeschäfte, Restaurants und Lounges untergebracht sein. Nach Fertigstellung wird das GTC gleichzeitig 50.000 Fahrzeuge aufnehmen können, darunter 40 Busse, 4.500 Pkw und Zweiräder als Busse.
Gebaut werden soll zum einen die Greater Noida–Noida Airport Metro von der bestehenden U-Bahn-Station Noida Sector 148 der Noida Aqua Line zum internationalen Flughafen Noida. Und zweitens die Ballabhgarh-Noida Airport Metro von der U-Bahn-Station Ballabhgarh der Delhi Metro Violet Line nach Palwal und zum Flughafen.
In Planung ist eine 71,1 km lange Schnellbahnstrecke mit elf Stationen, die 2031 fertiggestellt sein soll. In der Realisierungsphase ist die 61 km lange Neubaustrecke Palwal–Noida International Airport–Khurja. Am Flughafen wird zudem ein neuer Bahnhof errichtet. Die weitere neue Bahnstrecke Flughafen Hisar–Noida International ist auch schon weit gediehen. Sie wird eine direkte Verbindung vom Flughafen Noida zum Flughafen Indira Gandhi und zum Flughafen Hisar bieten. Schließlich ist der Bahnhof Flughafen Noida Teil des geplanten Hochgeschwindigkeitsbahnprojekts, sprich der Neubau-Schnellstrecke Delhi-Noida-Varanasi.
Die Fraport AG hat ihren Anteil am Indira Ghandi-Flughafen verkauft. Dazu hatte der Frankfurter Flughafenbetreiber am 24. September 2024 eine Einigung zum Verkauf aller Anteile an Delhi International Airport Limited (DIAL) unterzeichnet. Fraport hatte alle Gesellschaftsanteile in Höhe von zehn Prozent zum Preis von 126 Millionen US-Dollar an den Mehrheitseigentümer GMR Airports Infrastructure Limited (GIL) veräußert.
„Nach 18 Jahren erfolgreicher Partnerschaft und eindrucksvollem Wachstum war es für Fraport Zeit, ein neues Kapitel aufzuschlagen“, erklärte Dr. Stefan Schulte, Vorstandsvorsitzender der Fraport AG. Fraport war maßgeblich an Modernisierung und Ausbau des Flughafens Delhi beteiligt und hatte ihn erfolgreich zu einem bedeutenden Luftverkehrsdrehkreuz in Asien entwickelt. Neben der Anteilsveräußerung wurde damals vereinbart, dass Fraport seine unterstützende Rolle im Flughafenbetrieb im Rahmen des bestehenden Betreibervertrages (Airport Operator Agreement) am Flughafen Delhi weiterführen wird.
Mit dem Engagement Fraports und der Flughafen Zürich AG sind somit zwei namhafte Flughafenbetreiber in Indien aktiv.

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