Skoda bringt mit dem Peaq ein großes Elektro-SUV für Geschäftskunden. Im Test überzeugen Platzangebot, Komfort, Reichweite und Verbrauch.
Wenn es um E-Mobilität geht, ist die tschechische VW-Tochter Skoda nach wie vor in der Erfolgsspur. Der Elroq ist mit 23.679 Neuzulassungen in den ersten sieben Monaten dieses Jahres das beliebteste Elektrofahrzeug in Deutschland. Europaweit konnten im ersten Halbjahr mit Elroq und Enyaq 108.200 E-Autos ausgeliefert werden – eine Steigerung zum Vergleichszeitraum des Vorjahres um 48 Prozent. In Deutschland steht der Enyaq bei gewerblichen Leasingangeboten und in Fuhrparks nach wie vor auf Platz 1.
Mit dem Peaq bringt Skoda nun ein neues Elektro-Flaggschiff auf den Markt. Das große SUV ist als Fünf- oder Siebensitzer, mit Heck- oder Allradantrieb und in drei Leistungsstufen erhältlich. Im Fahrbericht zeigt der Skoda Peaq, was er bei Platzangebot, Verbrauch, Reichweite und Langstreckentauglichkeit zu bieten hat.
Skoda legt nun mit dem Epiq und dem Peaq im Doppelpack nach. Für die beiden Modelle liegen europaweit bereits 45.000 Bestellungen vor – und das, ohne dass die Wagen bislang für Probefahrten zur Verfügung gestanden haben. Den Peaq, den Skoda gerade für den Geschäftskundenbereich bestens aufgestellt sieht, gibt es in verschiedenen Varianten:
In beiden 90ern kommt ein Akku mit einer nutzbaren Energie von 86 kWh zum Einsatz. Alle drei Versionen gibt es auch in einer Sportsline-Ausführung.
Die Redaktion ist den siebensitzigen Peaq 90 auf einer Strecke von insgesamt 250 Kilometern testweise gefahren. Der Peaq ist das größte und geräumigste SUV der Marke überhaupt. Denn der Stromer überragt den Kodiaq, seinen Verbrenner-Bruder, mit einer Länge von 4,87 Metern um 11,6 Zentimeter. Die Breite von 1,87 Metern ohne Außenspiegel und die Höhe von 1,66 Metern sind fast identisch. Beim Radstand indessen schlägt der Peaq mit 2,97 Metern den Kodiaq gleich um 18 Zentimeter.



Passagiere können es sich nicht nur auf den elektrisch verstellbaren Vordersitzen, sondern vor allem auch im Fond überaus bequem machen. Hier sind Bein- und Kopffreiheit riesig. Das gilt auch für das Volumen des Kofferraums. 890 Liter sind es beim Siebensitzer, sogar 935 Liter beim Fünfsitzer. Schon das ist Skoda-Rekord. Werden die im Verhältnis 40:20:40 geteilten hinteren und in der Neigung verstellbaren Lehnen vorgeklappt, sind es bis zu 2.075 beziehungsweise 2.150 Liter. Zudem lässt sich die hintere Sitzbank in der Länge verschieben, um das Platzangebot an den jeweiligen Bedarf variabel anzupassen. Ist der Skoda Peaq mit sieben Personen besetzt, stehen immer noch 299 Liter Stauraum zur Verfügung. Die beiden hinteren Sitze lassen sich ganz einfach aus dem Boden aufstellen und wieder versenken. Für größer gewachsene Personen sind die hinteren Sitze allerdings nicht zu empfehlen – da fehlt es am Raum für die Beine.
Zusätzlicher Raum für die Ladeutensilien hingegen steht unter der vorderen Haube zur Verfügung. Hier haben die Entwickler einen flachen Frunk mit einem Volumen von 37 Litern eingebettet. Im eigentlichen Passagierabteil gibt es zudem zahlreiche Fächer und Ablagemöglichkeiten. Die Designer haben sich für den Innenraum aber noch eine Menge anderer neuer Dinge einfallen lassen. So gibt es außer der 10,15 Zoll großen digitalen Instrumentenanzeige erstmals ein vertikal ausgerichtetes Infotainment-Touch-Display mit Navigationssystem in einer Größe von 13,6 Zoll. Das ist so konzipiert, dass im unteren, einfach zu erreichenden Bereich einige große und häufig genutzte Bedienfelder angesiedelt sind.





Logisch angeordnet sind auch die Bedienelemente auf dem beheizbaren Multifunktionslenkrad. Die ebenfalls serienmäßige Sprachsteuerung reagiert gut und schnell. Gleichwohl gibt es im Peaq weiterhin physische Bedienelemente. So lassen sich die Außenspiegel wie gehabt über Knöpfe in den Türen verstellen. Auf der Mittelkonsole liegen im vorderen, oberen Bereich griffgünstig eine separate Walze zur Lautstärkeregelung sowie die Schalter für die Warnblinkanlage und das Ver- und Entriegeln der Türen. Direkt darunter gibt es Regler für die Einstellung der Temperatur und des Gebläses der Klimaautomatik. Gleich zwei Smartphones können in der allerdings aufpreispflichtigen induktiven Phonebox geladen werden.
Wenn es um das Fahren geht, zeigt der in Serie mit 235/55er-Reifen vorne und 255/50er-Reifen hinten auf 19-Zoll-Alufelgen ausgerüstete Peaq 90 so gut wie keine Schwächen. Die 210 kW treiben das 2,3 Tonnen schwere SUV mühelos an. In 7,1 Sekunden ist laut Datenblatt die Marke 100 erreicht und bei Tempo 180 regelt das System ab. Wir waren zunächst lediglich auf Landstraßen mit einigen Steigungs- und Gefällstrecken sowie vielen Kurven in Geschwindigkeitsbereichen zwischen 50 und maximal 100 Kilometern pro Stunde unterwegs. Danach zeigte der Bordcomputer einen Verbrauch von 16,4 kWh an. Für ein Auto dieser Größenordnung ein mehr als guter Wert.
Bei wirklich schneller Fahrt über die Autobahn steigt der Strombedarf naturgemäß kräftig an. Auf einer knapp 200 Kilometer langen Tour mit 50-prozentigem Autobahnanteil, bei der die Tachonadel selten unter der Marke 150 stand, haben wir einen Verbrauch von 22,1 kWh erfahren. Selbst das ist noch absolut akzeptabel. Der WLTP-Wert von 17,6 kWh liegt ziemlich in der Mitte der beiden von uns in der Praxis ermittelten Verbrauchswerte. Skoda gibt eine maximale Reichweite von 647 Kilometern an. Dafür muss der rechte Fuß aber extrem verhalten eingesetzt werden. Doch zwischen 550 und 600 Kilometern sind bei normalem Tempo absolut realistisch. Geladen werden kann aufgrund einer DC-Leistung von maximal 199 kW von zehn auf 80 Prozent in 28 Minuten. An der Wallbox mit elf kW sind es elf Stunden, um die Batterie von null auf 100 Prozent mit neuer Energie zu versorgen.
Einerlei, ob es eher ruhig oder so richtig schnell vorwärts geht, im Innenraum bleibt es jederzeit sehr leise. Weder Wind- noch Abrollgeräusche dringen störend ins Passagierabteil. Schon das ist ein wichtiger Punkt für das Wohlbefinden, vor allem auf längerer Strecke. Dementsprechend ist das Fahrwerk auch mehr auf Komfort als auf eine sportliche Fahrweise ausgelegt. Das macht sich auf der kurvenreichen Fahrt bemerkbar. Hier könnte die Lenkung eine Spur direkter, Federung und Dämpfung etwas straffer sein. Doch der Skoda Peaq zielt als SUV eben auf bequemes Reisen ab. Und diese Aufgabe erfüllt das neue Flaggschiff der Marke in jeder Hinsicht. Schlechte Wegstrecken meistert der Peaq souverän. Das Handling ist generell perfekt. Der Wendekreis des Hecktrieblers beträgt lediglich 9,9 Meter.
Auch wenn der Skoda Peaq vermutlich vor allem von Geschäftskunden in gehobenen Positionen gefahren wird, ist die maximal erlaubte Zuladung von 535 Kilogramm da ebenso wichtig wie die Anhängelast von 1,8 Tonnen. Als Stützlast sind 72 Kilogramm, als Dachlast 75 Kilogramm erlaubt. Verbunden mit der umfangreichen Serienausstattung sowie vielen spannenden Optionen wie dem Sonos-Soundsystem oder Ergo-Komfortsitze mit ausfahrbaren Beinauflagen könnte das alles dazu führen, dass der Peaq auf Dauer den Enyaq von der Spitzenposition bei den Gewerbekunden verdrängt. Während die Einstiegsversion netto 41.933 Euro kostet, steht der hier vorgestellte Peaq 90 als Fünfsitzer ohne Mehrwertsteuer mit 48.655 Euro in der Preisliste. Für die dritte Sitzreihe müssen 832 Euro extra investiert werden. Die Leasingangebote dürften ähnlich attraktiv sein.

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