Die Hochvoltbatterie gehört zu den wichtigsten Bauteilen eines Elektroautos. Wer richtig lädt und einige Grundregeln beachtet, kann die Alterung verlangsamen.
Die Hochvoltbatterie bestimmt maßgeblich, wie weit ein Elektroauto fährt und welchen Wert es langfristig behält. Mit der Zeit verliert jede Batterie an Kapazität, doch der Alterungsprozess verläuft nicht bei jedem Fahrzeug gleich schnell. Laut Tüv Nord haben neben dem Alter und der Nutzung vor allem das Ladeverhalten, die Temperatur und die Fahrweise Einfluss auf den Batteriezustand. Wer einige Grundregeln beachtet, kann die Batterie im Alltag schonen und ihre Leistungsfähigkeit länger erhalten.
Mit den Jahren nimmt die Leistungsfähigkeit jeder Hochvoltbatterie ab. Dieser Prozess lässt sich nicht vollständig vermeiden, durch einen bewussten Umgang jedoch verlangsamen. Tüv Nord unterscheidet dabei zwischen der zyklischen und der kalendarischen Alterung. Die zyklische Alterung entsteht durch das Laden und Entladen der Batterie. Die kalendarische Alterung läuft dagegen auch dann weiter, wenn das Fahrzeug nur selten genutzt wird. Dabei spielen unter anderem Zeit, Temperatur und Ladezustand eine Rolle.
Während die Batterie altert, verändern sich die Zellen. Der Innenwiderstand steigt und die nutzbare Kapazität nimmt ab. Dadurch kann die Reichweite sinken. Der Kilometerstand allein sagt jedoch wenig über den tatsächlichen Batteriezustand aus. Entscheidend ist auch, wie das Fahrzeug bisher geladen und genutzt wurde.
Das Ladeverhalten hat großen Einfluss darauf, wie schnell eine Batterie altert. Für den Alltag empfiehlt Tüv Nord, den Ladezustand möglichst zwischen 20 und 80 Prozent zu halten. Viele Elektroautos bieten dafür eine einstellbare Ladegrenze. Wer eine längere Strecke fahren möchte, kann die Batterie bei Bedarf auch vollständig laden.
Nicht nur der Ladestand, sondern auch der Ladezeitpunkt spielt eine Rolle. Bleibt die Batterie über längere Zeit bei einem sehr hohen Ladestand, kann das die Alterung fördern. Deshalb kann es sinnvoll sein, den Ladevorgang so zu planen, dass die gewünschte Ladung erst kurz vor der Abfahrt erreicht wird.
Für den täglichen Betrieb eignet sich das Laden mit Wechselstrom (AC), etwa an einer Wallbox. Das Schnellladen mit Gleichstrom (DC) ist grundsätzlich ebenfalls möglich. Besonders bei sehr hohen oder sehr niedrigen Temperaturen sowie bei häufigen Ladevorgängen von einem niedrigen auf einen nahezu vollen Ladestand kann die Belastung jedoch steigen.
Neben dem Laden beeinflusst auch die Temperatur die Lebensdauer der Batterie. Laut Tüv Nord liegt der optimale Bereich zwischen 15 und 25 Grad Celsius. Große Hitze und starke Kälte können die Alterung beschleunigen. Im Sommer kann es deshalb sinnvoll sein, das Fahrzeug im Schatten oder in einer Tiefgarage abzustellen. Im Winter können eine Garage und die Vorklimatisierung helfen. Ist das Fahrzeug dabei mit dem Stromnetz verbunden, muss die benötigte Energie nicht vollständig aus der Traktionsbatterie kommen.
Auch die Fahrweise wirkt sich auf die Belastung der Batterie aus. Häufiges starkes Beschleunigen und ein hoher Energiebedarf beanspruchen die Hochvoltbatterie stärker. Wer vorausschauend fährt und einen vorhandenen Eco-Modus nutzt, kann den Energieverbrauch senken.
Zusätzlich unterstützt die Rekuperation das Energiemanagement. Dabei gewinnt das Fahrzeug beim Bremsen oder Ausrollen des Autos einen Teil der Energie zurück und speist sie wieder in die Batterie ein.
Tüv Nord empfiehlt außerdem, die Fahrzeugsoftware regelmäßig zu aktualisieren. Das Batteriemanagementsystem (BMS) steuert die Lade- und Entladevorgänge. Softwareupdates können diese Prozesse verbessern und sollten deshalb berücksichtigt werden.
Der State of Health (SoH) gibt Auskunft darüber, wie viel von der ursprünglichen Batteriekapazität noch vorhanden ist. Der Wert wird in Prozent angegeben und beschreibt den Gesundheitszustand der Batterie im Vergleich zum Neuzustand. Ein SoH von 90 Prozent bedeutet laut Tüv Nord, dass noch etwa 90 Prozent der ursprünglichen Batteriekapazität verfügbar sind. Die tatsächliche Reichweite kann davon aber abweichen, da auch Faktoren wie Außentemperatur und Fahrweise den Energieverbrauch beeinflussen. Tüv Nord ordnet die Werte wie folgt ein:
Wer den Zustand der Batterie genauer kennen möchte, kann einen professionellen Batteriecheck durchführen lassen. Das kann vor allem vor dem Kauf eines gebrauchten Elektroautos, vor dem Verkauf des eigenen Fahrzeugs oder bei auffälligen Veränderungen der Reichweite sinnvoll sein. Auch bei einer Leasingrückgabe oder zur Wertermittlung kann ein dokumentierter Batteriezustand hilfreich sein.
Beim Batteriecheck von Tüv Nord werden verschiedene Fahrzeugdaten über die Diagnoseschnittstelle ausgelesen. Erfasst werden unter anderem die nutzbare Batteriekapazität, das Lade- und Entladeverhalten sowie der aktuelle State of Health. Die Batterie muss dafür nicht ausgebaut werden. Die Ergebnisse werden anschließend in einem Prüfbericht zusammengefasst.
Moderate Ladestände, eine vorausschauende Ladeplanung, der Schutz vor extremen Temperaturen und eine angepasste Fahrweise können dazu beitragen, die Hochvoltbatterie eines Elektroautos zu schonen. Aktuelle Fahrzeugsoftware und regelmäßige Zustandsprüfungen ergänzen diese Maßnahmen.
Gerade beim Gebrauchtwagenkauf lohnt es sich, nicht nur auf Alter und Kilometerstand zu schauen. Der dokumentierte State of Health kann zusätzliche Hinweise auf die verbleibende Kapazität und den Zustand der Batterie liefern.

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