Die Deutsche Bahn will künftig nur noch zwei bis drei statt vier Generalsanierungen pro Jahr umsetzen. Das Programm für rund 40 Strecken dürfte sich dadurch verlängern.
Die Deutsche Bahn rechnet damit, dass die grundlegende Erneuerung ihres Schienennetzes mehr Zeit benötigen wird als ursprünglich vorgesehen. Bahnchefin Evelyn Palla kündigte an, künftig meist nur noch zwei statt bisher vier Korridorsanierungen pro Jahr umzusetzen. Das überarbeitete Konzept werde derzeit mit dem Bundesverkehrsministerium abgestimmt.
Mit der Riedbahn zwischen Mannheim und Frankfurt hatte die Deutsche Bahn 2024 ihr Programm zur Generalsanierung wichtiger Strecken gestartet. Insgesamt umfasst es rund 40 Korridore. Nachdem zunächst ein Abschluss Anfang der 2030er Jahre angestrebt worden war, galt zuletzt das Jahr 2036 als Zielmarke.
Nach den bisherigen Erfahrungen seien vier Generalsanierungen pro Jahr zu viel, sagte Palla. Künftig rechne sie mit zwei, bei besonderen technischen Anforderungen auch mit drei Projekten pro Jahr. Neben den Erfahrungen aus den ersten Großbaustellen spiele dabei auch die Frage eine Rolle, welche Mittel aus dem Sondervermögen des Bundes zur Verfügung stehen werden. Zudem habe sich gezeigt, dass vier parallele Großsanierungen die Kapazitäten im Schienennetz zu stark verringerten.
Zuletzt wurden unter anderem die Strecken Emmerich-Oberhausen, Hamburg-Berlin, Hagen-Wuppertal-Köln und Nürnberg-Regensburg saniert. Derzeit laufen Arbeiten auf den Verbindungen Obertraubling-Passau und Troisdorf-Wiesbaden. Im Oktober sollen die Bauarbeiten zwischen Berlin und Hannover beginnen.
Bei bisherigen Generalsanierungen kam es teilweise zu Verzögerungen, zudem mussten Bauumfänge reduziert werden. Nach Wiedereröffnungen traten auf einigen Strecken weiterhin Störungen auf. In Nordrhein-Westfalen wurde nach Abschluss der Arbeiten festgestellt, dass eine Brücke marode ist und nicht mehr mit voller Last befahren werden kann.
Kritik kommt unter anderem vom Verband der privaten Güterbahnen, der lange Umwege für den Güterverkehr bemängelt. Auch die Allianz pro Schiene kritisiert wiederholt reduzierte Bauumfänge. Deren Geschäftsführer Dirk Flege erklärte: „Die Korridorsanierungen mit mehrmonatigen Vollsperrungen dürfen nicht zum Dauerzustand werden.“ Bis zum Ende des kommenden Jahrzehnts müsse der Sanierungsstau aufgelöst sein.
Palla kündigte an, sanierte Strecken künftig nicht mehr unmittelbar mit voller Last in Betrieb zu nehmen. Stattdessen seien Hochlaufphasen vorgesehen. Zudem müssten Umleiterstrecken vor Beginn von Generalsanierungen ausreichend ertüchtigt werden. Als Beispiel nannte sie die Verbindung zwischen Berlin und Hannover. Weil eine parallel verlaufende Strecke nicht rechtzeitig elektrifiziert werden konnte, müssen Fahrgäste dort für 14 Monate einen Umweg mit rund 80 Minuten längerer Fahrzeit in Kauf nehmen.

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