Von der Reiseverkehrskauffrau zur Head of Travel & Mobility Management: Warum Michaela Antz immer wieder gerne ihre Komfortzone verlässt.
An den Sprung in ihr bisher kältestes Wasser erinnert sich Michaela Antz heute mit Stolz. Seit zwei Jahrzehnten ist sie bei BCD Travel beschäftigt, einem Dienstleister für Geschäftsreisen, als sie sich im Dezember 2019 denkt: „Ich möchte noch einmal auf die andere Seite.“ Sie kündigt – ohne einen neuen Job in Aussicht zu haben. Drei Monate später beginnt die Corona-Pandemie: Reisen wird ein seltenes Gut. In genau dieser schwierigen Zeit startet die Travel Managerin ihre Bewerbungsoffensive.
Gut sechs Jahre später lächelt sie, als sie über diesen Schritt berichtet. „Ich wollte raus aus meiner Komfortzone.“ Raus aus der Perspektive des Dienstleisters, hin zu einer Position, die Geschäftsreisen in einem Unternehmen managt, eben „auf die andere Seite“. Es war nicht das erste Mal, dass sie Lust auf Veränderung verspürte.

Der Lebenslauf von Michaela Antz reiht Transformation an Transformation. Erst arbeitet sie bei BCD Travel als Reiseverkehrskauffrau, später als Teamleiterin, es folgen Vertrieb und Key-Account-Management. Spätestens alle fünf Jahre wechselt sie in einen neuen Bereich: „Ich habe mir stets Abwechslung geschaffen.“
Oder ihr wird ein neuer Kontext angeboten. BCD fragte an, ob sie als Interims-Travel-Managerin bei Kunden aktiv werden möchte. Sie will: Antz pendelt zwei Jahre zum Unternehmen Hensoldt von ihrem Lebensmittelpunkt München nach Ulm. Sie baut dort Strukturen und Prozesse im Travel Management von null an auf. Später folgt sie dem Ruf von Beiersdorf nach Hamburg. Wieder ein neues Unternehmen, wieder frische Anforderungen.
Heute ist sie ganz auf dieser anderen Seite. 2020 beginnt Antz bei Giesecke+Devrient. G+D sitzt in München, stellte früher Banknoten her und heute vor allem Sicherheitslösungen. Sie übernimmt zunächst das Travel- und Fleet-Management des Unternehmens. Obwohl: „Fleet war erstmal gar nicht meine Schiene.“ Während der Corona-Jahre arbeitet sie sich ein. Gleichzeitig beobachtet sie, wie sich Geschäftsreisen verändern: Bahn, Dienstwagen, Fahrräder oder neue Sharing-Modelle wachsen zusammen. Sie entscheidet sich deshalb für eine Weiterbildung beim Bundesverband für betriebliche Mobilität und lässt sich zur Mobilitätsmanagerin zertifizieren. Nach dieser Fortbildung entsteht die Idee: Travel und Fleet als gemeinsames Mobilitätskonzept für das Unternehmen denken.
Ihr Alltag im Travel- und Mobilitäts-Management beginnt damals selten planbar. Morgens geht es vielleicht um die Unterstützung bei einer Reisegenehmigung. Später um Einreisebestimmungen für einen Flug nach Uganda. Dann ruft jemand wegen Fahrrad-Leasing an. „Immer wichtiger werden die Travel Security bei der Reiseplanung und die Unterstützung der Reisenden vor Ort in Krisengebieten“, bemerkt Michaela Antz.
Was Antz heute an ihrem Job reizt, ist zum einen der Gestaltungsspielraum. Den hatte sie zu Beginn ihrer Arbeit so nicht erwartet: „Ich kann heute sehr selbständig agieren.“ Mehrmals im Jahr stellt sie ihre Ideen der Unternehmensspitze direkt vor – CEO, CFO und Chief Digital Officer sitzen dann mit am Tisch. „Wenn ich von allen ein Okay bekomme, ist das mein Highlight.“
So zum Beispiel für das Projekt „Nachhaltiges Mobilitätskonzept“, das aus mehreren Unterprojekten besteht: mit Elektro-Dienstwagen, Fahrrad-Leasing, Motivations-Leasing, Auto-Abo, Jobticket für Mitarbeitende sowie Lösungen für das Laden am Standort oder zuhause. Erzählt Antz davon, nutzt sie immer eine Formulierung, die ihre Arbeitsweise illustriert: „Ich bin positiv penetrant“, sagt sie dann. Ideen loslassen kann sie schwer – wenn sie überzeugt ist, bleibt sie dran.
Neben operativen Aufgaben kümmert sich Michaela Antz vermehrt um strategische Themen: Neue Reiserichtlinien stimmt sie mit HR, Finance und Tax ab, Vertragsverhandlungen mit Airlines, Hotels sowie Leasing-Gesellschaften laufen über den Einkauf, technische Lösungen entstehen gemeinsam mit der IT. Als Global Head of Travel & Mobility Management weiß sie: Mobilität betrifft das ganze Unternehmen. Sie folgt damit einem Branchentrend: Geschäftsreisen und Fuhrpark wachsen zusammen.
Nachhaltigkeit wird ein noch wichtigerer Faktor. Antz bildet sich zum Sustainable Business Travel Manager weiter. Die Frage dahinter: Wie lassen sich Geschäftsreisen anders organisieren? Ein Ansatz findet sich bereits in der Reiserichtlinie. Innerhalb Deutschlands sollen Mitarbeitende möglichst die Bahn nutzen. Termine werden häufiger gebündelt, um mehrere Flüge zu vermeiden. „Klar, wir müssen fliegen und werden auch weiterhin fliegen“, sagt Antz. „Aber wir können überlegen, wo wir optimieren.“
Wenn Antz über solche Schritte spricht, klingt Neugier mit. „Ich schaue grundsätzlich immer, was kommt“, unterstreicht sie. Vielleicht erklärt das ihren Weg: immer wieder ein neues Thema, ein neuer Kontext, eine neue Aufgabe. Und jedes Mal die Entscheidung, sich darauf einzulassen. Eben aktiv raus aus der Komfortzone.

Insights zu Digitalisierung, Organisation und Strategie in der Mobilität.