Morgens beim Kunden, abends im Hotel: Für viele Beschäftigte gehört das Reisen zum Berufsalltag. Diese Berufe sind besonders häufig auf Geschäftsreise.
Für Unternehmensberater oder Vertriebsmitarbeiter ist es normal, die Woche nicht im Büro zu beginnen, sondern am Flughafen oder Bahnhof. Für sie und für viele andere Berufsgruppen sind Geschäftsreisen ein fester Bestandteil des Arbeitsalltags. Genau so vielfältig wie die Berufe, sind auch die Reisezwecke: Verträge unterzeichnen, an Konferenzen teilnehmen, technische Anlagen montieren, Kunden treffen, forschen oder internationale Projektarbeit leisten. Dabei stellt sich nicht nur die Frage, in welchen Berufen Geschäftsreisen fest dazugehören, sondern auch, welche Anforderungen sowie Herausforderungen damit verbunden sind.
Außendienst- und Vertriebsmitarbeiter sind in der Regel häufig unterwegs. Der Besuch von Bestandskunden, das Akquirieren neuer Kunden, Produkte vor Ort präsentieren und Beziehungen pflegen, gehört zu diesem Job fest dazu. Viele Vertriebsmitarbeiter haben in ihren Unternehmen nicht mal ein eigenes Büro, da sie überwiegend im Außeneinsatz sind. Dabei kann die Reisetätigkeit je nach Unternehmen regional begrenzt sein, wie zum Beispiel bei Gebietsverkäufern im Einzelhandel, oder bei international agierenden Konzernen.
Und auch wenn Videokonferenzen und virtuelle Meetings den Austausch ohne physische Präsenz möglich machen, so gehören persönliche Treffen in diesen Bereichen noch fest dazu. Im direkten Gespräch entsteht Vertrauen, und Produkte können vor Ort leichter erklärt werden als über den Bildschirm. Hinzu kommen noch Produktschulungen und Messen, die ebenfalls zu einer regelmäßigen Abwesenheit führen und den Außendienst somit zu einer klassischen Geschäftsreisebranche machen.
Unternehmensberater sind eine weitere Berufsgruppe, die den Großteil ihrer Arbeitswoche auf Reisen verbringt. Ob IT-, Personal-, Strategie- oder Management- und Prozessberatung: Typisch in der Branche ist die Taktung von Montag bis Donnerstag. Das heißt, von Montagfrüh bis Donnerstagnachmittag ist man vor Ort beim Kunden, reist dann zurück und verbringt den Freitag im Homeoffice oder im Büro des Arbeitgebers. Die Anreise zum Klienten erfolgt oft mit dem Flugzeug oder Zug, die Nächte werden im Hotel verbracht und der Freitag ist gefüllt mit Nachbereitung der Woche und Vorbereitung auf die nächste Woche.
Dieser Rhythmus bedeutet für die Unternehmensberater viel Zeit weg von ihrem Zuhause. Für viele liegt in der häufigen Abwesenheit der Reiz der Abwechslung. Zudem bietet der Job die Möglichkeit, verschiedene Unternehmenskulturen kennenzulernen und ein großes Netzwerk aufzubauen. Er kann jedoch auch als belastend empfunden werden, durch wenig Freizeit, ein hohes Arbeitspensum, die permanente Reisetätigkeit und viel Leistungsdruck.
Auch technische Berufe können Reisetätigkeit bedeuten. Ingenieure oder Montage- und Servicetechniker reisen dorthin, wo Maschinen und Anlagen gebaut werden, bereits stehen oder gewartet werden müssen. Das können Windparks in Norddeutschland sein, Rechenzentren in Kalifornien oder Produktionsanlagen in Italien, je nachdem, in welchen Regionen der Welt ein Unternehmen geschäftlich aktiv ist. Mehrtägige oder sogar mehrwöchige Reisen sind im Maschinen- und Anlagenbau Teil des Arbeitsalltags. Neue Anlagen zu errichten oder in Betrieb zu nehmen, ist zeitaufwendig. Auch Wartungen oder Fehlerdiagnosen lassen sich in der Regel nicht per Videocall oder Fernsteuerung erledigen.
Die Herausforderungen für die Techniker liegen dabei nicht nur in der Reisetätigkeit an sich, sondern auch in eventuellen Sprachbarrieren sowie verschiedenen Sicherheitsvorschriften und wechselnden Arbeitsbedingungen. Belastbarkeit und Anpassungsfähigkeit sind neben dem technischen Fachwissen wichtige Voraussetzungen für den Job.
In der IT-Branche gehören Geschäftsreisen ebenfalls dazu. Wer als IT-Consultant oder Projektleiter für die Einführung neuer IT-Systeme beim Kunden zuständig ist, der muss häufig vor Ort präsent sein. Nicht nur die Installation der Software gehört dann zum Job, sondern mitunter auch die Schulung von Mitarbeitern oder die Prozessoptimierung. Je nach Projektumfang kann das bedeuten, dass IT-Arbeiter mehrere Wochen von einem fremden Standort arbeiten, was Anpassungsfähigkeit erfordert.
Journalisten, PR-Manager oder Event-Organisatoren reisen ebenfalls häufig in ihrem Job. Journalisten und PR-Leute besuchen Pressekonferenzen, müssen in Krisengebiete fahren oder über bestimmte Themen berichten und dafür unterwegs sein. Im Eventmanagement gehört es dazu, für Veranstaltungen längere Zeit an einem anderen Ort zu sein, sowohl für die Vorbereitung als auch während der Durchführung der Events.
In diesen Berufen, insbesondere im Journalismus, können Dienstreisen schwer planbar sein, da bestimmte Ereignisse es nötig machen, kurzfristig loszureisen.
Als Einkäufer im Einzelhandel gehört reisen ebenfalls zur Jobbeschreibung. Einkäufer müssen Lieferantenbeziehungen aufbauen, Verhandlungen vor Ort führen und sich ein genaues Bild von Produktqualität und den Produktionsbedingungen machen. Das erfordert regelmäßige Reisen, oft auch interkontinental. Technik wird in China beschafft, Lebensmittel in Spanien oder Italien, Textilien in Portugal oder Bangladesch und Rohstoffe in Lateinamerika oder Afrika. Auch die Reise zu Messen, um neue Trends aufzuspüren, gehört zu diesem Beruf dazu. Wer im Einkauf arbeitet, muss daher in der Regel mehrmals im Jahr für längere Zeiträume verreisen, was besondere Anforderungen an Kommunikationsgeschick und Anpassungsfähigkeit stellt.
Hohe Positionen in Unternehmen gehen auch oft mit Geschäftsreisen einher. Insbesondere in Firmen mit internationalen Aktivitäten müssen Geschäftsführer, Manager oder Vorstandsmitglieder zu Tochtergesellschaften, Zweigstellen, Partnern oder Kunden- sowie Investorengesprächen reisen.
Dadurch gehören mehrtägige Abwesenheiten, interkontinentale Flüge, Termine über Zeitzonen hinweg, Verhandlungen in anderen Sprachen sowie viele Hotelübernachtungen. Wer als Business Development Manager dafür zuständig ist, neue Märkte zu erschließen, muss regelmäßig ins Ausland reisen.
Während die bereits genannten typische Berufsfelder sind, in denen Geschäftsreisen dazugehören, gibt es auch in Jobs ohne regelmäßige Reisetätigkeit die Situation, dass mal ein dienstlicher Trip ansteht. Die Teilnahme an einer Messe, Projektarbeit an einem anderen Standort oder der Besuch eines Seminars oder einer Fortbildung, kann die Abwesenheit vom eigentlichen Arbeitsplatz erfordern. Diese Reisen gelten dann ebenfalls als Geschäftsreisen, zumindest wenn diese Kriterien erfüllt sind:
Dient eine Reise der privaten Fortbildung, sprich, sie dient keinem dienstlichen Zweck und wurde vom Arbeitgeber auch nicht angeordnet, dann zählt sie im arbeitsrechtlichen Sinn nicht als Geschäftsreise. Die Kosten werden demnach nicht vom Arbeitgeber übernommen.
Wer oft auf Geschäftsreise ist, sollte bestimmte Anforderungen erfüllen. Dazu zählen in erster Linie die Reisebereitschaft und viel Flexibilität. Die Personen sollten die Fähigkeit haben, auch in wechselnden Umgebungen konzentriert arbeiten zu können.
Geschäftsreisen bedeuten Abwechslung und die Möglichkeit, auf beruflicher Ebene andere Kulturen kennenzulernen – doch sie bringen auch Herausforderungen mit sich. Dazu zählen die Belastungen des Reisens durch lange Flüge, Wartezeiten oder Verspätungen und weniger Zeit zu Hause für Familie und Freunde. Der unregelmäßige Rhythmus kann das Erfüllen privater Bedürfnisse und Hobbys erschweren.
Darüber hinaus gibt es organisatorische Hürden zu bewältigen wie Reisebuchungen, Abrechnungen und das Einholen von Visa und Einreisegenehmigungen. Unternehmen können ihren Mitarbeitern helfen, indem sie ihnen klare Reiserichtlinien zur Verfügung stellen und sie bei Buchungen und der Beschaffung nötiger Unterlagen unterstützen. Mit modernen Travel-Management-Systemen lässt sich das auch digital abbilden.
Seit der Corona-Pandemie sind die Zahlen für Geschäftsreisen laut einer Studie des Deutschen Reiseverbands (DRV) stark zurückgegangen und lagen 2024 40 Prozent unter dem Niveau von 2019. Und das ist schon eine Erholung zu den Zahlen vor 2024.
Der Rückgang ist auf Einsparungen, Umweltbewusstsein und die Weiterentwicklung digitaler Kommunikationstools zurückzuführen. All diese Faktoren sorgen dafür, dass die Notwendigkeit von Geschäftsreisen stärker hinterfragt wird. Dennoch bleiben sie in zahlreichen Berufen weiterhin ein fester Bestandteil des Anforderungsprofils.

Relevante Entwicklungen, Trends und Stimmen aus der Branche im Überblick.