Die Bahn sperrt die wichtige Verbindung zwischen Berlin und Hannover bis Dezember 2027. Reisende müssen längere Fahrzeiten und Umleitungen einplanen.
Auf einer der wichtigsten Bahnverbindungen Deutschlands beginnen umfangreiche Sanierungsarbeiten. Die Deutsche Bahn erneuert die rund 230 Kilometer lange Strecke zwischen Berlin und Lehrte bei Hannover. Für Reisende und Unternehmen bedeutet die vollständige Sperrung über mehr als ein Jahr erhebliche Einschränkungen im Fern- und Regionalverkehr.
Die Bauarbeiten haben begonnen und sollen bis zum Fahrplanwechsel Mitte Dezember 2027 dauern. In den kommenden 14 Monaten will die Bahn Hunderte Kilometer Gleise, Weichen und Oberleitungen erneuern. Darüber hinaus sollen mehr als zwei Dutzend Bahnhöfe modernisiert werden.
Als besonders aufwendig gilt die Erneuerung von mehr als 50 Kilometern fest verbauter Betonfahrbahn im Raum Stendal. Dafür müssen große Mengen Betonplatten entfernt und ersetzt werden.
Die Sanierung ist Teil der Generalsanierungen der Deutschen Bahn. Mit diesem Programm sollen bis in die 2030er Jahre mehr als 40 stark belastete Strecken umfassend modernisiert werden.
Da die parallel verlaufende Lehrter Stammbahn nicht rechtzeitig elektrifiziert wird, müssen sämtliche Fernzüge zwischen Berlin und Hannover während der gesamten Bauzeit umgeleitet werden.
Die Umleitung führt über Braunschweig und Magdeburg. Dadurch verlängert sich die Fahrzeit zwischen Berlin und Hannover von bislang rund 100 Minuten auf etwa 180 Minuten.
Die Auswirkungen reichen über die direkte Verbindung hinaus. Auch Fernverkehrszüge zwischen Berlin und Nordrhein-Westfalen nutzen die Umleitungsstrecke. Wer beispielsweise von Berlin nach Düsseldorf reist, muss künftig mit einer Reisezeit von mindestens fünfeinhalb Stunden rechnen.
Während Magdeburg zusätzliche ICE-Verbindungen erhält, entfallen bis mindestens Ende des Jahres die Fernverkehrshalte in Wolfsburg und Stendal. Ob dies auch 2027 so bleibt, wird derzeit abgestimmt.
Nicht nur der Fernverkehr ist betroffen. Auch im Regionalverkehr kommt es zu Einschränkungen, insbesondere in Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.
Nach Angaben der Bahn soll ein „verlässliches Grundangebot“ aufrechterhalten werden. Regionalzüge verkehren beispielsweise zwischen Nauen und Stendal über Wittenberge. Mehrere Stationen entlang der eigentlichen Strecke werden jedoch ausschließlich durch Ersatzbusse angebunden.
Auch Verbindungen von Stendal nach Wolfsburg müssen während der Bauarbeiten teilweise durch Busverkehre ersetzt werden. Die Bahn informiert über die jeweiligen Linienführungen und Fahrplantakte auf ihren Informationsseiten.
Die Generalsanierungen wurden in der Vergangenheit wiederholt dafür kritisiert, dass die Sperrungen nicht zugleich für eine vollständige Digitalisierung der Strecken genutzt werden.
Auch auf der Verbindung zwischen Berlin und Hannover erfolgt nach Angaben der Bahn keine vollständige Umrüstung auf das digitale Zugsicherungssystem ETCS. Demnach werden lediglich sechs der insgesamt 25 Stellwerke entlang der Strecke digitalisiert und für ETCS vorbereitet.
Die übrigen Stellwerke sollen erst in den 2030er Jahren entsprechend modernisiert werden. Damit bleibt die Strecke auch nach Abschluss der Bauarbeiten Ende 2027 zunächst auf die bestehende Signaltechnik angewiesen.
Kritik kommt unter anderem vom Wettbewerberverband Die Güterbahnen. Der Verband bemängelt seit Jahren die langen Umleitungswege für den Schienengüterverkehr sowie eine aus seiner Sicht unzureichende Abstimmung der Umleitungsverkehre.
Auch aus dem Verkehrsministerium gab es zuletzt Kritik an einzelnen Generalsanierungen. Hintergrund sind Probleme und Verzögerungen bei bereits abgeschlossenen Projekten. Als Beispiel nennt die dpa die Sanierung der Strecke Hamburg–Berlin, die mit sechs Wochen Verspätung fertiggestellt wurde und bei der es auch nach Wiederaufnahme des Verkehrs Probleme im Betrieb gab.

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